Strom aus Sonne

Veröffentlicht von Benny am

Wenn man unserem Verkaufsberater Glauben schenken kann, dann lohnt sich eine Photovoltaikanlage in einem Neubau in jedem Fall. Die Finanzierung dafür würde monatlich unter den equivalenten Stromkosten liegen, die man so oder so an den Netzbetreiber zahlen würde. Doch das stimmt nicht so ganz. Durch unterschiedliche Faktoren muss man davon ausgehen, dass man nur ca. 60% des Eigenbedarfs mit so einer Anlage decken kann. Denn z.B. nachts scheint keine Sonne.

Die Qual der Wahl

Schon wieder. Wie immer hat man auch hier mehrere Möglichkeiten, eine Anlage umzusetzen. Das hängt wieder viel vom eigentlichen Nutzungsverhalten ab. Ist man tagsüber zuhause und kann erzeugten Strom direkt verbrauchen? Oder ist man arbeiten und meistens nur in den Morgen- und Abendstunden im Haus? Welche Verbraucher gibt es? Will man zuzahlen oder auf ca. Plus-Minus-Null herauskommen? Wir streben letzteres an, aber da muss man am Ende natürlich doch nochmal gegenrechnen, ob sich das überhaupt innerhalb der Betriebslaufzeit der Anlage rechnen würde. Aber gehen wir bei den nächsten Annahmen einfach mal davon aus. Weiterhin gehen wir davon aus, dass wir etwa 6000 kWh Stromverbrauch (zum größten Teil durch die Luft-Wasser-Wärmepumpe) haben werden.

Grundbegriffe

Bei den Solarmodulen gibt es natürlich auch Unterschiede in der Effizienz, es gibt Module zwischen 280 und 340 Wp (Watt-Peak). Die Anlagengröße wird daher zur besseren Vergleichbarkeit in kWp (Killowatt-Peak) und nicht in Quadratmetern z.B. angegeben. Kilowatt-Peak bezeichnet die Nennleistung einer Anlage unter optimalen Testbedingungen. Für eine grobe Abschätzung kann man annehmen, dass eine Anlage das 1000-fache der Nennleistung an Kilowattstunden (kWh) im Jahr erzeugt. Eine 6 kWp-Anlage erzeugt also etwa 6.000 kWh Strom im Jahr.

Die aktuelle Einspeisevergütung beträgt gerade einmal 10,48 ct/kWh und sinkt stetig weiter. Das gilt es bei den folgenden Optionen zu berücksichtigen.

Einspeisung

Die Einspeisung des Stroms ist die eigentlich klassische Variante. Dabei wird der Strom, den nicht direkt verbraucht wird, ins Stromnetz eingespeist werden. Das bekommt man dann vergütet. Es gibt dabei auch unterschiedliche Varianten, z.B. die 70% Regelung. Dabei wird die Einspeisung bei 70% der Nennleistung abgeregelt, also begrenzt. Sinnvoller ist eher die 100%-Regelung mit dynamischem Einspeisemanagement. Dabei kann theoretisch der gesamte erzeugte Strom ins Netz eingespeist werden. Allerdings hat der Netzbetreiber die Möglichkeit, die Einspeisung dynamisch per Steuergerät zu beschränken, um z.B. einer Netzüberlastung vorzubeugen.

Bei dieser Variante muss der gesamte Strom, den man verbraucht, wenn die Anlage keinen Strom erzeugt, dazu gekauft werden. Übliche Preise liege im Moment bei ungefähr 30ct/kWh, also das 3-fache von dem, was man bekommt, wenn man dem Netzbetreiber den Strom liefert. Möchte man also möglichst neutral aus der Sache rauskommen, bräuchten wir also eine Anlage, die groß genug ist, um das 3-fache des nicht selbst erzeugten dazugekauften Stroms zu produzieren und einzuspeisen. 60% von 6.000 kWh werden also schonmal selbst verbraucht, das sind 3.600 kWh. Die Differenz von 2.400 kWh müssten wir also dazu kaufen, es sei denn, wir erzeugen zusätzlich 7.200 kWh, die wir vergütet bekommen. Wir bräuchten also in etwa eine 11 kWp-Anlage, um quasi keinen Strom zu bezahlen. Kostet ca. 16.000€.

Energiespeicher

Energiespeicher sind auf dem Vormarsch, aber kontrovers diskutiert. Zum einen würde sich so ein Speicher natürlich lohnen, weil man viel des überschüssig produzierten Stroms tagsüber in den Energiespeicher fließen lassen kann, so dass man davon deutlich mehr Strom selbst verbrauchen kann, nämlich bis zu 90%. Dafür kostet so ein Speicher mal locker 6.000 – 8.000 € extra. Kritiker rechnen das natürlich auf die Laufzeit gegen und stellen gerne fest, dass sich das nicht lohnen würde. Auf der anderen Seite kostet die Herstellung von Energiespeichern heute noch relativ viel Geld und Ressourcen, gerade seltene Rohstoffe. Insgesamt könnte man die Anlage aber kleiner dimensionieren. In unserem Beispiel könnten wir also ca. 5.400 kWh selbst erzeugen, bräuchten wir nur die übrigen 600 kWh kompensieren durch ca. 2 zusätzliche kWp Leistung. Wir kämen also auf eine Anlage mit etwa 8 kWp. Kostet mit Speicher ca. 19.000€.

Cloud

Ja, gibt es scheinbar nicht nur im Internet. Das Prinzip ist beim Strom sehr ähnlich. Eigentlich verfährt man wie bei der Einspeisung auch. Man erzeugt Strom, verbraucht davon etwas selbst und speist den Rest ins Netz ein. Aber: Bei der Cloud-Lösung zahlt man eine gewisse Grundgebühr für den Cloud-Dienst, verfügt dann aber über eine Art “Guthabenskonto” mit Kilowattstunden und kann das eingespeiste Guthaben einfach wieder selbst beziehen. Ohne direkte Verrechnung. Alles, was am Ende des Jahres an Differenz übrig bleibt oder mehr bezogen wurde, bekommt man vergütet oder muss man bezahlen. Eigentlich auch eine nette Idee, aber hier muss man das mit den Grundgebühren gegenrechnen. Theoretisch würde allerdings eine Anlage mit 6-7 kWp Nennleistung ausreichen. Kostet ca. 11.000€, zzgl. der Grundgebührern.

Fazit

Es gibt noch viele weitere Faktoren, die man hier berücksichtigen muss. Zum ersten Abschätzen, in welche Richtung es wohl gehen soll, reicht das aber vielleicht. Dazu kommen aber noch weitere Gegebenheiten, wie die Ausrichtung des Dachs, teilweise Verschattung, etc. In jedem Falle macht es Sinn, sich von einem Solateur beraten zu lassen, der deutlich mehr Faktoren professionell berücksichtigen kann und schließlich auch die Installation fachgerecht durchführen muss.


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